Wir legen großen Wert auf eine intensive Zusammenarbeit mit den Eltern und Familien der bei uns untergebrachten Kinder und Jugendlichen. Wichtigstes Ziel dabei ist die Ressourcen der Eltern zu stärken um eine Rückführung des Kindes zu ermöglichen. Dazu wird es nötig sein, gemeinsam das Verhalten von Kindern und Eltern und die übliche Art der Kommunikation zwischen einander zu klären. Dabei geht es nicht um irgendeine Schuldfrage oder um eine Schuldzuweisung, sondern vielmehr um die aktive Auseinandersetzung mit der Problemgeschichte und um die notwendige Veränderungsbereitschaft.

Wir möchten auch in der Zeit der Unterbringung des Kindes in unserem Haus, den Kontakt zwischen Familie und Kind aufrechterhalten und allen gemeinsam die Chance geben, zu lernen, neu miteinander umzugehen. Um das zu erreichen sind im Abstand von 4 Wochen regelmässige Beurlaubungswochenenden geplant, an denen die Kinder und Jugendlichen ihre Familien besuchen. Diese Wochenenden werden von uns telefonisch vor- und nachbereitet und es wird sowohl für die Kinder als auch für die Eltern / Familien Übungsaufgaben geben, in denen es um veränderte Kommunikationsformen und modifizierte Verhaltensmuster gehen wird.

Für die Eltern werden wir im Jean-Itard-Zentrum bis zu 4 Elternwochenenden anbieten, von denen wir die Eltern, der bei uns unterbrachten Kinder und Jugendlichen, bitten, verbindlich an zwei Wochenenden im Jahr teilzunehmen. An diesen Wochenenden soll es um einen Erfahrungsaustausch zwischen den betroffenen Eltern und um ein gezieltes Elterntraining gehen. Unser Ziel ist und bleibt dabei die Ressourcenstärkung der Eltern.

Das an den Zentrumswochenenden angebotene, Selbstentwickelte Elterntraining basiert auf erfolgreichen Bausteinen bekannter Methoden der Eltern-Kind-Prävention die durch relevante systemische und kommunikative Aspekte ergänzt werden.

Darüber hinaus bieten wir aufsuchende Elternkontakte an. Das bedeutet unsere qualifizierten Mitarbeiter fahren zu den Eltern nach Hause, um dort gemeinsam mit den Eltern an den im Hilfeplan festgelegten Zielen zu arbeiten.

Neben den regelmässigen Besuchswochenenden sollen auch die Ferienzeiten im Elternhaus verbracht werden, um eine begeleitete Umsetzung (telefonisch / aufsuchende Krisenintervention) der hinzugewonnenen Erkenntnisse in einer möglichst entspannten Zeit zu ermöglichen.

Neben der Stärkung der Ressourcen der Eltern, ist das Ziel der Eltern- und Familienarbeit, das Elternhaus auf die Veränderungen des Kindes oder Jugendlichen vorzubereiten. Damit das Kind im Laufe der Zeit eine neue Rolle mit neuen Verhaltensmustern einnehmen kann, ist es aus systemischer Sicht zwingend notwendig, dass sich die Familie neu und vorurteilsfrei begegnen kann. Dieses Vorgehen ist der Erkenntnis geschuldet, dass wir alle nur die Rollen einnehmen können, die unsere Umwelt zulässt. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein „Schreihals” nur dann eine neue Rolle übernehmen kann, wenn seine Umwelt ihn auch dann wahrnimmt, das heißt ihn hört und ihm zuhört, wenn er in einer angemessenen Lautstärke kommuniziert. Wird er als ruhiger Mensch kontinuierlich überhört, wird er schnell wieder in seine alte Rolle zurückfallen und sich erneut als Schreihals Gehör verschaffen.